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Kulturwandel wird für viele erfolgskritisch

11. November 2019 | Transformation

Die Unternehmens- und Arbeitskultur ist ein unterschätztes Asset unserer Zeit …

Natürlich ist der Kulturwandel in aller Munde. Aber gesagt ist nicht getan. Dabei wächst der Druck zusehends auf Unternehmen, die aus ihren klassischen und starren Strukturen nicht ohne weiteres entkommen können: Mittelständler, Energieversorger und Stadtwerke, Hersteller und Dienstleister, Handelsunternehmen der alten Schule und viele andere. Dies sind oft Unternehmen mit einer klassischen Wasserfall-Organisation, mitunter noch autokratisch geführt mit Silo- und Funktionsdenken, erstrebtem Machterhalt und einem konventionellen Mindset. Symptome dieser Unternehmen sind oft:

  •  es wird immer noch mehr „gemeetet“ und geredet als produktiv gearbeitet
  •  Prozessabläufe und Entscheidungen dauern viel zu lange
  •  die Nachrichten von oben kommen unten kaum noch an und werden teils auch nicht verstanden
  •  die Arbeit ist oft unproduktiv
  •  interdisziplinäre Arbeit findet selten statt und wird teilweise von Vorgesetzten sogar unterbunden
  •  Führung und Steuerungs-Instrumente versagen, das Betriebsklima leidet
  •  Druck wird nach unten weitergegeben, statt Mitarbeiter gezielt zu entwickeln
  •  …
Dimensionen der Unternehmenskultur

Dimensionen der Unternehmenskultur

Kulturwandel warum eigentlich?

Wem diese Gründe nicht ausreichen, der lese bitte weiter. Neben den aktuellen Problemen war die Veränderungsdynamik noch nie so hoch wie heute. Sie hat rapide zugenommen und übersteigt das Maß, das Mitarbeiter und Unternehmen überhaupt noch zeitlich und inhaltlich nachvollziehen können. Nicht ohne Grund haben Burnout und Krankheitsstände in den Unternehmen in den letzten Jahren zugenommen. Wir haben für dieses Phänomen eine Formel gefunden, die als VUCA (Velocity, Uncertainty, Complexity, Ambiguity) durch die Medien geistert. Bisher haben Unternehmen noch wenig konkrete Lösungsansätze gefunden, damit erfolgreich umzugehen und neue Realitäten zu adaptieren. Das verwundert nicht, denn die Veränderungen sind komplex: globaler Wettbewerb, Digitalisierung, Innovationsdruck, New Work, agile Arbeitsweisen, mehr Selbstbestimmung und -organisation, neue Methoden und Werkzeuge – all das ist wichtig und soll schlankere Prozesse, höhere Produktivität, schnellere Ergebnisse und mehr Wettbewerbs- und Zukunftsfähigkeit sichern.

Die Unternehmenskultur ist Nährboden oder Sargnagel der Zukunft.

Die gute Nachricht ist, dass der systematische und nachhaltige Kulturwandel allen zugute kommt – den Mitarbeiter*innen, den Führungskräften, den Unternehmen und Gesellschaftern. Die schlechte Nachricht ist, wird der Wandel zu spät eingeleitet, sind die Vorsprünge des Wettbewerbs kaum noch aufzuholen. Und das obwohl sich Unternehmenskultur nur langsam verändern kann. Sie wurde von vielen CEOs über Jahre vernachlässigt, denn kurzfristige Umsatzsteigerungen oder bessere Quartalsergebnisse sind mit der Kulturentwicklung nicht zu erreichen. Inzwischen ist sie allerdings zur Voraussetzung für Wachstum und Zukunftsfähigkeit geworden und daher eine zentrale Aufgabe jeder Unternehmensführung. Denn der verpasste Kulturwandel hat viele Gesichter: Stellenabbau, stark reduzierte Budgets, Übernahmen, verspätete Re-Organisationen, Preisreduktionen, erhöhte Mitarbeiterfluktuation, sinkende Loyalität von Mitarbeitern und Kunden, Kundenverluste, sinkende Wettbewerbsfähigkeit und Produktivität, schlechtere Unternehmensbewertung, sinkende Kredibilität und vieles mehr…

Herausforderungen des Kulturwandels

  1. Altes Mindset: viele Unternehmenslenker wissen noch nicht, dass sie ihr vermeintliches Erfolgsrezept der Vergangenheit zukünftig nicht mehr wiederholen können.
  2. Zeit: wird der Wandel nicht rechtzeitig und konsequent durch Maßnahmen-Programme initiiert, kann die verlorene Zeit ggf. kaum noch aufgeholt werden, das Unternehmen fällt zurück.
  3. Dauer: Die Wirksamkeit von Kulturveränderungen zeigen sich erst mittel- und langfristig und sind nicht kurzfristig erzwingbar.
  4. Führung: die neue Arbeitswelt und -kultur erfordert ein neues System von Leadership.
  5. Umfang: der Kulturwandel betrifft das gesamte Unternehmen und orientiert sich am Unternehmens-Leitbild, der Vision und Mission.

Ziele des Kulturwandels

In der Regel soll der Kulturwandel die Voraussetzungen für Wachstum schaffen. Wachstum ist hier nicht nur im monetären Sinn zu verstehen, sondern auch hinsichtlich einer evolutionären Entwicklung von lernenden Menschen und Unternehmen. Ziele, die oft mit dem Kulturwandel verbunden sind:

Für Unternehmen…

  •  Professionalisierung (Professional Excellence, KVP)
  •  Stärkere Kunden-Orientierung
  •  Bessere Chancen-Nutzung
  •  Innovations-Entwicklung
  •  Marktkonforme Wertschöpfung
  •  Effizienzgewinn
  •  Produktivitätssteigerung

Für Mitarbeiter…

  •  Mehr Teilhabe und Entscheidungsfreiheit
  •  Höhere Sinnstiftung
  •  Selbstbestimmtes und selbstorganisiertes Arbeiten
  •  Persönliche und berufliche Entwicklung
  •  Einbringung persönlicher Kompetenzen

Phasen-Modell nachhaltiger Kultur-Projekte

Es gibt keine einheitlichen Rezepte für unterschiedliche Branchen, Unternehmen, Ziele und Ausgangssituationen. Trotzdem ist es sinnvoll zunächst in einer Bestandsaufnahme die IST-Kultur zu beschreiben und zu hinterfragen. Dabei wird das zugrunde liegende Mindset (Glaubenssätze, Überzeugungen) ebenso überprüft, wie Motive und Verhalten. Dies erfolgt durch Projekt- und Situations-Analysen, Stakeholder-Interviews und die Interpretation von Artefakten und Symbolen. Basierend auf dem Unternehmenszweck, den Unternehmenszielen, Visionen und Leitbildern wird dann analog die ZIEL-Kultur hinterfragt. Der Abgleich zwischen IST und SOLL ist dann u.a. die Basis für eine gemeinsame Neugestaltung von Zusammenarbeit, Arbeitsabläufen und Entscheidungskriterien. Dabei wird auch deutlich, welche neuen Skills und Tools hierfür erforderlich sind.

Wenn Sie an einem Austausch zu dem Thema interessiert sind, nehmen Sie gerne Kontakt mit uns auf.